Das kulturelle Schaffen von K├╝nstlern unterliegt in der Gegenwart Bedrohungen, die aus Fehlvorstellungen resultieren oder neben dem Eigennutz die notwendigen Bedingungen von k├╝nstlerischem Schaffen au├čer acht lassen. Z.B. werden Kunstwerke hinsichtlich ihrer Entstehung nicht von anderen Artefakten unterschieden oder sie werden in das Gebiet der blo├čen Freizeitgestaltung eingeordnet, dem sich ein K├╝nstler im Gegensatz zur sog. arbeitenden Bev├Âlkerung widmen kann. Im Fall der Gleichsetzung mit jedem anderen Artefakt, z.B. mit einem Werkst├╝ck eines Handwerkers, einem nach allgemein verbindlichen Regeln zusammengestellten Schriftst├╝ck des Lebensalltags wie einem Vertrag, einer beh├Ârdlichen Anordnung oder auch einer Arbeitsbeschreibung, wird in der modernen Erwerbsgesellschaft der Anspruch erhoben, auch ein Kunstwerk sei jederzeit und beliebig abrufbar. Im Fall der Einordnung als allt├Ągliche Freizeitgestaltung werden im modernen demokratischen Staat in der Person des/r individiduellen K├╝nstlers/in Kairos, Erkenntnisarbeit und handwerkliche Arbeit auf h├Âchstem Niveau geleugnet noch bevor das hervorgebrachte Werk im einzelnen wahrgenommen wird. Der leichtfertig hingeworfene Satz: "Das kann ich auch" wird zum Anlass der Gleichsetzung und zur Rechtfertigung jedweder eigenn├╝tzigen Ausbeutung des/r K├╝nstlers/in und/oder seines Werks durch Diebstahl des geistigen Eigentums. Die Bedeutung des Kunstwerks als Meinungs├Ąu├čerung und damit als Aus├╝bung eines Kommunikationsgrundrechtes, konkret der Kunstfreiheit (Art. 5 Abs. 3 GG) wird nicht zur Kenntnis genommen. Mit der Folge, dass dem/r K├╝nstlers/in die M├Âglichkeiten jeder Selbsterl├Ąuterung entsprechend dem Selbstdarstellungsrecht (Art. 2 Abs. 1 GG) und die Sicherung seiner/ihrer wirtschaftlichen Existenz streitig gemacht werden. Die damit einhergehende Entw├╝rdigung des/r K├╝nstlers/in gibt es schon lange. Dichter, Schriftsteller, K├╝nstler, Kunstwissenschaftler und Kunstkritiker haben darauf mit Worten reagiert, deren Rezeption zu einer Korrektur von Fehlvorstellungen f├╝hren kann. Auf dieser Seite sollen Zitate von Dichtern, Schriftsteller, K├╝nstlern, Kunstwissenschaftlern und Kunstkritikern in Erinnerung gerufen werden, die die besondere Verbindung von dichterischem und k├╝nstlerischem Schaffen und individuellem Personsein einerseits und verschiedenen Aspekten der notwendigen Achtung vor dem Personsein einzelner andererseits zum Inhalt haben und dadurch wesentliche Argumente aus eigener Erfahrung f├╝r heute bereits bestehende und noch zu entwickelnde Urheberrechte sichtbar machen. Es finden sich bisher ├äu├čerungen von Cellini, Goethe, Gogol, Strindberg, Obrist, Meier-Graefe, Preetorius, Valentin, Arnheim, Frisch, Lenz, Bernhard, Uecker, Zaf├│n und Maffey.

Benvenuto Cellini, Mein Leben (1558-1566), ├ťbersetzung von Jacques Laager, Z├╝rich 2000, Erstes Buch, Kap. 60/61, S. 184-192:

"Acht Tage sp├Ąter lie├č mir der Papst durch denselben Mann mitteilen, er wolle nicht mehr, da├č ich den Kelch vollende, er verlange ihn in dem Zustand zur├╝ck, indem er sich zur Zeit befinde. Diesem Pompeo gab ich folgendes zur Antwort: .. < .. so sicher, wie die f├╝nfhundert Scudi, die ich erhalten habe, Seiner Heiligkeit geh├Âren und von mir sogleich zur├╝ckerstattet werden, so sicher geh├Ârt das Werk mir - und ich werde damit machen, was mir gef├Ąllt!> ... Drei Tage sp├Ąter - es war an einem Donnerstag - kamen zwei bevorzugte K├Ąmmerer seiner Heiligkeit zu mir. ... Als sie bei mir eintraten, sagten sie: <Benvenuto, der Papst schickt uns zu dir. Weil du nicht auf ihn h├Âren wolltest und ihm nicht entgegengekommen bist, l├Ą├čt er dir folgendes ausrichten: Entweder ├╝bergibst du uns sein Werk, oder wir bringen dich ins Gef├Ąngnis!> Da blickte ich ihnen frohgemut in die Augen und erwiderte: <G├Ąbe ich das Werk seiner Heiligkeit, so g├Ąbe ich ihr mein Werk und nicht ihr Werk, und gerade deswegen will ich ihr mein Werk nicht geben! Ich habe es n├Ąmlich mit so viel Aufwand vorangetrieben, da├č ich es nicht in den H├Ąnden einer unkundigen Bestie sehen will, die es mir m├╝helos verdirbt!> W├Ąhrend ich dies erwiderte, war auch besagter Tobia zugegen, der in seiner Unversch├Ąmtheit sogar die Modelle von mir forderte. ..... drohten mir der Gouverneur und der Fiskal .. <La├č sofort dein Werk herbringen ...> Ich entgegnete: <Signori, erweist mir die Gnade, noch vier Worte zu meinen Gr├╝nden zu ├Ąu├čern.> ... Und so begann ich: <Falls sich irgendein Mann einen Palast oder ein Haus bauen lie├če, k├Ânnte er wohl mit vollem Recht zu dem Meister, der es baut, sagen: <Ich will nicht, da├č du an meinem Haus oder Palast weiter baust!> Er k├Ânnte ihn, nachdem er ihm f├╝r seine Arbeit in geb├╝hrender Weise bezahlt h├Ątte, wieder wegschicken. ... Aber in meiner Angelegenheit liegt der Fall ganz anders, denn hier handelt es sich weder um ein Haus noch um einen Edelstein. Mann kann nichts anderes von mir verlangen, als da├č ich die f├╝nfhundert Scudi, die ich erhalten habe, zur├╝ckerstatte> ... der Gouverneur .... sagte: <Es ist mir sehr unangenehm, da├č du nicht begreifen willst, was zu deinem Besten ist. So geh denn hin, und bringe, wann es dir beliebt, die f├╝nfhundert Scudi dem Pompeo!> Ich nahm meine Arbeit, entfernte mich und brachte die f├╝nfhundert Scudi sofort zu Pompeo. Der Papst hatte wohl geglaubt, ich k├Ânne das Geld wegen einer Verlegenheit oder aus anderen Gr├╝nden nicht so bald aufbringen, da er sich eine Gelegenheit w├╝nschte, mich wieder zu seinem Dienst zu verpflichten. Als er aber sah, da├č Pompeo lachend und mit dem Geld vor ihm erschien, beschimpfte er ihn, denn es schmerzte ihn sehr, da├č die Angelegenheit diese Wendung genommen hatte, und er sagte zu ihm: <Geh und suche Benvenuto in seiner Werkstatt auf, erweise ihm so viele Freundlichkeiten, wie deine tierische Dummheit es vermag! Sage ihm: Wenn er diese Arbeit beenden .. will, .. will ich ihm jegliche Bequemlichkeit verschaffen, damit er das Werk zu Ende f├╝hren kann - wenn er nur arbeite!> ... Ich gab ihm sogleich zur Antwort, da├č der gr├Â├čte Schatz auf Erden, den ich mir w├╝nschte, sei, die Gunst eines so bedeutenden Papstes zur├╝ckzugewinnen: diese h├Ątte ich zwar verloren, aber nicht aus eigenem Versagen, doch wohl ... wegen ... der Bosheit neidischer Menschen, denen es Freude bereite, B├Âses zu tun."

Johann Wolfgang v. Goethe, Torquato Tasso (1790):

ÔÇ×Der Mensch erkennt sich nur im Menschen, nur das Leben lehret jedem, was er sei.ÔÇť (Antonio)

ÔÇ×Er soll willkommen sein, wenn er es bringt, so sehr in manchem Sinn das gro├če Werk mich freu und freuen muss, so sehr vermehrt sich auch zuletzt die Ungeduld in mir. Er kann nicht enden, kann nicht fertig werden.ÔÇť (Alfons)

ÔÇ×Ich lobe die Bescheidenheit, die Sorge, womit er Schritt f├╝r Schritt zum Ziele geht. Er will nicht M├Ąrchen ├╝ber M├Ąrchen h├Ąufen, die reizend unterhalten und zuletzt wie lose Worte nur verklingend t├Ąuschen.ÔÇť (Prinzessin)

ÔÇťIch komme langsam, es dir zu ├╝berreichen. Ich wei├č zu wohl, noch bleibt es unvollendet. Wenn es auch gleich geendigt scheinen m├Âchte. Allein war ich besorgt, es unvollkommen Dir hinzugeben, so bezwingt mich nun die neue Sorge: M├Âchte ich doch nicht gern zu ├Ąngstlich, m├Âchte ich nicht undankbar scheinen.ÔÇť (Tasso)

ÔÇ×Hier ist die Frage nicht von einer Liebe, die sich des Gegenstands bemeistern will, uns liebt er nicht, ÔÇô verzeih, dass ich es sage! ÔÇô aus allen Sph├Ąren tr├Ągt er, was er liebt, auf einen Namen nieder, den wir f├╝hren, und sein Gef├╝hl teilt er uns mit;ÔÇť (Leonore)

"Freigiebig bietest Du mir sch├Âne Gaben, und ihren Wert erkenn ich, wie ich soll, drum lass mich z├Âgern, eh ich sie ergreife, wei├č ich doch nicht, ob ich dir auch dagegen ein Gleiches geben kann.ÔÇť (Antonio)

ÔÇ×Er schadet andern nicht, er schadet sich.ÔÇť (Leonore).

ÔÇ×Und doch verletzt er andre nur zu sehr. Kannst du es leugnen, dass im Augenblick der Leidenschaft, die ihn behend ergreift, er auf den F├╝rsten, auf die F├╝rstin selbst, auf es sei, zu schm├Ąhn, zu l├Ąstern wagt?ÔÇť (Antonio)

"Ich wiederhole nur besch├Ąmt die Bitte: O gib die Bl├Ątter mir zur├╝ck!ÔÇť (Tasso)

Johann Wolfgang v. Goethe, Dichtung und Wahrheit 

Zweiter Teil, Zehntes Buch: .."Die W├╝rde des Gegenstandes erh├Âhte dem Dichter das Gef├╝hl eigener Pers├Ânlichkeit." ...

Vierter Teil, Neunzehntes Buch: ...."Die Gewohnheit von Jugend auf die Landschaft als Bild zu sehen, vwerf├╝hrte mich zu dem Unternehmen, wenn ich in der Natur die Gegend als Bild erblickte, sie fixieren, mir ein sichres Andenken von solchen Augenblicken festhalten zu wollen. Sonst nur an beschr├Ąnkten Gegenst├Ąnden mich einigerma├čen ├╝bend, f├╝hlt ich in einer solchen Welt gar bald meine Unzul├Ąnglichkeit. Drank und Eile zugleich n├Âtigten mich zu einem wunderbaren H├╝lfsmittel: kaum hatte ich einen interessanten Gegenstand gefa├čt und ihn mit wenigen Strichen im allgemeinen auf dem Papier angedeutet, so f├╝hrte ich das Detail , das ich mit dem Bleistift nicht erreichen konnte, in Worten gleich daneben aus und gewann mir auf diese Weise eine solche innere Gegenwart von dergleichen Ansichten, da├č eine jede Lokalit├Ąt wie ich sie nachher in Gedicht und Erz├Ąhlung nur etwa brauchen mochte, mir also bald vorschwebte und zu Gebote stand." .....

... "Wie Lavater sich benommen, sei nur ein Beispiel gegeben. Sonntags nach der Predigt hatte er als Geistlicher die Verpflichtung den kurzgestielten Sammetbeutel jedem Heraustretenden entgegen zu halten und die milde Gabe segnend zu empfangen. Nun setzte er sich zum Beispiel diesen Sonntag die Aufgabe, keine Person anzusehen, sondern auf die H├Ąnde zu achten und ihre Gestalt sich auszulegen. Aber nicht allein die Form der Finger, sondern auch die Miene derselben beim Niederlassen der Gabe, entging nicht seiner Aufmerksamkeit, und er hatte mir viel davon zu er├Âffnen. Wie belehrend und aufregend mu├čten mir solche Unterhaltungen werden, mir, der ich doch auch auf dem Wege war mich zum Menschenmaler zu qualifizieren?"...

Nicolai Gogol, Die toten Seelen, Roman, Deutsch von Philipp L├Âbenstein, 1846, 9. Kapitel (S. 254):

"Der Verfasser ist in der schrecklichsten Verlegenheit, welchen Namen er wol diesen Damen geben k├Ânnte, ohne da├č man ihm, wie es sonst zu geschehen pflegte, dar├╝ber Groll nachtrage. Einen Familiennamen ersinnen, ist sogar gef├Ąhrlich. Welchen Namen du auch erdenkest, gewi├č befindet sich in irgend einem Winkel des Reiches - der Segen ist gro├č - Jemand, der einen solchen Namen tr├Ągt, und dieser Namentr├Ąger ger├Ąth in f├╝rchterlichen Zorn, und versichert, da├č der Verfasser eigens de├čwegen im Geheim zu ihm gereist sei, um alles zu erforschen, wer und was er sei, welchen Pelz er anhat, welche Agrafena Iwanowna er besucht, und welche seine Lieblingsspeisen. Gibt man seinen Helden nur ihre Titel, so ist's noch schlimmer. Jetzt sind alle Klassen und St├Ąnde so erbittert, da├č sie alles Gedruckte f├╝r Pers├Ânlichkeiten nehmen: es liegt schon, wie es scheint, in der Luft. Es ist hinreichend zu sagen, da├č in einer Stadt ein dummer Mensch lebe, und es wird gleich als Pers├Ânlichkeit betrachtet: mit einem Male springt dir ein Herr von stattlichem Aeu├čern entgegen und schreit: "Ich bin ja auch ein Mensch, also bin ich auch dumm," mit einem Worte, er merkt gleich, wovon die Rede ist. - Um also all dieses zu vermeiden, nennen wir die Dame, die so eben den Besuch empfangen, wie man sie fast einstimmig in der ganzen Stadt nannte, n├Ąmlich die in jeder Beziehung angenehme Dame. Diese Benennung hatte sie rechtm├Ą├čig erworben, denn sie sparte wirklich nichts, um sich Allen und Jedem angenehm zu machen."

August Strindberg, Ein Lesebuch f├╝r die niederen St├Ąnde, hrsgg. von Jan Myrdal, Frankfurt 1977:

"Ich sehe, dass dein Bleistift in den Korrekturen weitere Konzessionen fordert, aber ich kann sie nicht bewilligen. Das rechte Wort im rechten Augenblick ist die Kugel in der Patrone, die Kugel, die du herauspulen willst, just da ich schie├čen soll. Ich allein trage die Verantwortung, und du wei├čt, dass ich sie auf mich nehme".

August Strindberg, Die Insel der Gl├╝ckseligen (1884), 10. Kapitel:

"... Mit der Erfindung der Malerei verhielt es sich anders. In einer gewissen abgelegenen Gegend der Insel hatte man schon seit langem beobachtet, wie eine Menge besch├Ąftigungsloser K├Âhlerknaben Holzkohle nahm und etwas auf die Baumkl├Âtze zeichnete. Zuerst zeichneten sie unanst├Ąndige Sachen, dann aber gaben sie alles wieder, was ihre Augen sahen. Man hielt es zuerst f├╝r eine Art Manie oder Idiotie, die bei ihnen ausgebrochen war; es war ja wirklich kurios, einen Haufen junger Leute wie die Elstern herumh├╝pfen und Gegenst├Ąnde nach der Natur zeichnen zu sehen. Sie zeichneten Tische, Stuhlbeine, B├Ąume, Steine, Mohrr├╝ben, Schubkarren, Hunde, Katzen, alles m├Âgliche, dessen sie habhaft werden konnten. Vergebens versuchten ihre Eltern sie zu bewegen, diese Grillen aufzugeben und sich n├╝tzlich zu machen. Weinend sagten sie, sie wollten lieber verhungern, als das Zeichnen sein zu lassen. Es war wirklich eine Manie.

Als die Sache dem K├Ânig vorgetragen wurde, war (dieser) anfangs sehr bek├╝mmert, denn er liebte sein Volk, wie nur ein F├╝rst zu lieben vermag. nachher lie├č er sie in ein Haus einsperren, wo sie sich ungehindert und unter k├Âniglichem Schutz ihrer Manie widmen durften. Er f├╝hrte mit ihnen gewisse Experimente durch. Eines Tages lie├č er f├╝nfzig Maniaci ein und dasselbe Stuhlbein zeichnen. Aber siehe da, es fanden sich keine zwei Zeichnungen, die gleich gewesen w├Ąren. Philosophen, die man zurate zog, erkl├Ąrten, dies beruhe auf der pers├Ânlichen Auffassung. (Der K├Ânig), der nicht geglaubt hatte, dass die pers├Ânliche Auffassung eines Stuhlbeins eine philosophische Angelegenheit sei, sah seinen Irrtum ein und war fortan von der tiefen Bedeutung des Zeichnens als eines Moments im Geistesleben ├╝berzeugt. Den t├╝chtigsten Zeichner ernannte er zum Professor. Dieser Mann schrieb bald darauf eine Abhandlung ├╝ber Inhalt und Form des Zeichnens. Aus dem gutgew├Ąhlten Beispiel eines Stuhlbeins, das Gegenstand des Preisausschreibens gewesen war, forderte er: Inhalt des Stuhlbeins sei die pers├Ânliche Auffassung - Form des Stuhlbeins die Zeichnung. Wenn Inhalt und Form einander deckten oder restlos ineinander aufgingen, sei die Zeichnung eine vollendete oder sch├Âne Zeichnung. Alles Abgebildete sei sch├Ân. Eine ihren Kot entleerende Kuh sei an und f├╝r sich unsch├Ân, da die Natur an und f├╝r sich unsch├Ân sei; eine abgebildete Kuh, die ihren Kot entleert, sei sch├Ân, weil sie durchtr├Ąnkt sei mit der pers├Ânlichen Auffassung von einer den Kot entleerenden Kuh.

Eines Tages war auf der Fassade des Zeichenhauses eine h├Ą├čliche Abbildung (des K├Ânigs) zu sehen. Leute, die vorbeigingen, lachten. Der Zeichner wurde vorgeladen und beauftragt, den K├Ânig zu zeichnen, aber auf eine sch├Âne Art. Der Zeichner behauptete, seine Zeichnung sei sch├Ân, weil sie mit seiner pers├Ânlichen Auffassung (des K├Ânigs) durchtr├Ąnkt und durch sie bedingt sei. Dem Zeichner wurde bei Todesstrafe befohlen, seine pers├Ânliche Auffassung (des K├Ânigs) sofort zu ├Ąndern. Da man dem Zeichner den Titel und das Gehalt eines Professors versprach, ├Ąnderte er sofort seine pers├Ânliche Auffassung (des K├Ânigs)". 

Hermann Obrist, Wozu ├╝ber Kunst schreiben und was ist Kunst?, in: Neue M├Âglichkeiten in der bildenden Kunst, Leipzig 1903, 21-24

"Kunst gibt gesteigerte, intensive Empfindungen, Kunst ist kondensiert empfundes, kondensiert gegebenes und intensiv nachgef├╝hltes Leben... f├╝r den konsumierenden Laien ist Kunst das Erhalten, das Nehmen, das Mitempfinden, das Nacherleben des so gegebenen gesteigerten Lebens des K├╝nstlers. Und nur dann ist ein Werk wirklich k├╝nstlerisch, wenn derartige Wirkungen ausgel├Âst werden .... Die Wertigkeit eines Kunstwerkes h├Ąngt von der Wertigkeit der Empfindungen ab, die es ausl├Âst".

Julius Meier-Graefe, Spanische Reise, 1919, S. 167:

"Ich meine oft, es m├╝├čte besser mit uns werden, nicht nur in der Kunst, sondern ├╝berall, wenn jeder verst├╝nde, was in solchen Menschen steckt."

Emil Preetorius, Vom K├╝nstler und der Kunst, in: Kunst und K├╝nstler, Heft VI, S.223, Berlin 1930:

"Und wenn der K├╝nstler gebildet ist .., wird er .. betonen, da├č .. die Kunst eine in sich beschlossene, also autonome geistige Sph├Ąre, und zwar eine der Ursph├Ąren sei: biologisch bedingter, geistgewordener Ausdrucksdrang, der sich verwirkliche in der Welt der Erscheinungen, also eine Grundtendenz des Menschen schlechthin, die an sich unabh├Ąngig sei von Zeit, Volk und Geschichte, unabh├Ąngiger von diesen M├Ąchten als irgendeine der sonstigen gro├čen menschlichen Lebens├Ąu├čerungen."

Karl Valentin

"Kunst ist sch├Ân, macht aber viel Arbeit".

Rudolf Arnheim, Art and Visual Perception, A Psychology of the Creative Eye, The New Version in the 1974 expanded and revised edition of the original publication of 1954, Berkeley, L.A., London 1997, p. 5:

"All perception is also thinking, all reasoning is also intuition, all observation is also invention."

Siegfried Lenz (1926-  ), Deutschstunde, M├╝nchen 1973:

"2 Das Malverbot ..... Sie glauben es ja nicht, sie glauben es selbst nicht, diese Narren: Malverbot, Berufsverbot, vielleicht noch E├č- und Trinkverbot: so etwas kann einer doch nicht mit leserlichem Namen unterschreiben.  ... Das Verbot hat mit Kenntnisnahme in Kraft gesetzt zu werden .... ab sofort. Da packte der Maler sein Arbeitszeug zusammen, allein, ohne Hilfe des Polizeipostens Rugb├╝ll, er erwartete wohl auch keine Hilfe (S. 31). .. . Sie gingen zum Atelier, ..... Der Maler zeigte stumm auf das Glas, sie tranken und danach stand mein Vater auf, durchflutet von der W├Ąrme des Genevers, ging hin und her, ... hob dort den Blick und lie├č ihn auf dem Bild 'Pierrot pr├╝ft eine Maske' ruhen, streifte auch den 'Abend der Fohlen' und die 'Zitronenfrau' und drehte wieder um und kam zum Tisch zur├╝ck - bis er endlich wu├čte, was er sagen wollte. Mit einer unbestimmten, aber doch umfassenden Bewegungen gegen die Bilder sagte er: Und Berlin will das verbieten. Der Maler zuckte die Achseln. Es gibt andere St├Ądte ... - Berlin bleibt Berlin, sagte mein Vater, und dann: Warum glaubst du, Max? Warum verlangen sie es von dir? Warum sollst du aufh├Âren zu malen? Der Maler z├Âgerte. Vielleicht rede ich zu viel, sagte er. Reden? fragte mein Vater. Die Farbe, sagte der Maler, sie hat immer was zu erz├Ąhlen: mitunter stellt sie sogar Behauptungen auf. Wenn kennt schon die Farbe...  (S. 33). ...dann: Diese Wahnsinnigen, als ob sie nicht w├╝├čten, dass das unkm├Âglich ist: Malverbot. Sie k├Ânnen vielleicht viel tun mit ihren Mitteln, sie k├Ânnen allerhand verhindern, mag sein, aber nicht dies: da├č einer aufh├Ârt zu malen. Das haben schon andere versucht, lange vor ihnen. Sie brauchen doch nur nachzulesen: gegen unerw├╝nschte Bilder hat es noch nie einen Schutz gegeben, nicht durch Verbannen, auch nicht durch Blendung, und wenn sie die H├Ąnde abhacken lie├čen, hat man eben mit dem Mund gemalt. Diese Narren, als ob sie nicht w├╝├čten, da├č es auch unsichtbare Bilder gibt...  .. er lie├č ihn nicht mehr mit seinen Blicken los, als wollte er ihn zu sagen zwingen, was er, der Maler, l├Ąngst wu├čte, und ihm nwird nicht entgangen sein, da├č es meinem Vater schlie├člich nicht leichtfiel, zu erkl├Ąren: Mich, Max - sie haben mich beauftragt, das Malverbot zu ├╝berwachen: da├č du auch das nur wei├čt .... ... Und wie, Jens? Wie wirst du das Verbot ├╝berwachen?" (S. 34 f.).

"4 Der Geburtstag .... einen rot durchkreuzten Eilbrief, den er offensichtlich bereits gelesen hatte und den er nun meinem Vater zur├╝ckreichte, herrisch und au├čer sich, mit einer kurzen heftigen Bewegung, und da wu├čte ich schon, da├č mein Vater, vor der Wahl - entweder den Inhalt des Briefes m├╝ndlich zu wiederholen oder den Brief selbst sprechen zu lassen - sich wie immer f├╝r das entschieden hatte, was ihn am wenigsten beanspruchte. Er ahtte den Maler einfach lesen lassen und nahm den Brief nun ruhig an sich mit seinen r├Âtlich behaarten H├Ąnden und faltete ihn sorgsam, w├Ąhrend der Maler sagte: Ihr seid verr├╝ckt, Jens, ihr k├Ânnt euch das nicht anma├čen ... Ihr habt kein Recht dazu, sagte der Maler, und mein Vater darauf: Ich hab das nicht geschrieben, Ma├č, ich ma├č mir auch nix an, und er konnte seine H├Ąnde nicht daran hindern, eine Bewegung unbestimmter Hilflosigkeit zu machen. Nein, sagte der Maler, du ma├čt dir das nicht an, du sorgst nur daf├╝r, da├č sie sich ihre Anma├čung leisten k├Ânnen. Was soll ich denn machen? fragte mein Vater k├╝hl, und der Maler: Die Bilder von zwei Jahren - wei├čt du, was das hei├čt? Ihr habt mir Berufsverbot gegeben. Gen├╝gt euch das nicht? Was werdet ihr euch noch ausdenken? Ihr k├Ânnt doch nicht Bilder beschlagnahmen, die niemand zu Gesichts bekommen hat. Die nur Ditte kennt und allenfalls Teo. - Du hast den Brief gelesen, sagte mein Vater. Ja, sagte der Maler, da├č verf├╝gt worden ist, alle Bilder aus den letzten beiden Jahren einzuziehen: ich hab sie morgen verpackt auf der Dienststelle abzuliefern" (S. 70 f.). ....  nn nach einer Weile h├Ârt ich meinen Vater sagen: Vielleicht, Max, werden die Bilder zur├╝ckgeschickt eines Tages? Die Kammer pr├╝ft sie nur und schickt sie dir zur├╝ck? Es klang sogar glaubw├╝rdig, wenn mein Vater, der Polizeiposten von Rugb├╝ll, so etwa fragte oder als M├Âglichkeit erw├Ąhnte, und niemand mochte ihm ein anderes Wissen zutrauen neben dem, das er mit seinen Worten bekanntgab. Der Maler schien so verbl├╝fft, da├č er Zeit brauchte zu einer Antwort. Jens, sagte er dann in einem Ton von Bitterkeit und Nachsicht, mein Gott, Jens, wann wirst du merken, da├č sie Angst haben und da├č es die Angst ist, die ihnen r├Ąt, sowas zu tun: Berufsverbote auszusprechen, Bilder zu beschlafnahmen. Zur├╝ckschicken? Vielleicht in einer Urne .." (S. 72) ... " Ich mu├č dich auffordern, zugegen zu sein bei der Sichtung der Bilder - Willst du die Bilder verhaften? fragte der Maler, und mein Vater darauf trocken und unnachsichtig: Wir werden feststellen, welche Bilder eingezogen werden m├╝ssen. Ich schreib mir alles auf, damit sie morgen abgeholt werden k├Ânnen .....Ihr wi├čt nicht mehr, was ihr tut, sagte der Maler, und da rutschte meinem Vater der Satz raus: Ich tu nur meine Pflicht, Max. Da sah ich auf die H├Ąnde des Malers, kr├Ąftige, erfahrene H├Ąnde, .... Die H├Ąnde meines Vaters dagegen hingen schlaff und bereit an der Hosennaht, zwei gehorsame Wesen m├Âchte ich mal sagen, jedenfalls machten sie sich nicht besonders bemerkbar. Gehen wir, Max? fragte er. Der Maler r├╝hrte sich nicht. Nur da├č die sehn, ich hab meine Pflicht getan, sagte mein Vater, und der Maler pl├Âtzlich: Es wird euch nicht helfen. Es hat noch keinem geholfen. Holt euch, was euch Angst macht. Beschlagnahmt, zerschneidet, verbrennt: was einmal gewonnen ist, wird dableiben. ...  Damit du klar siehtst: ich werde weiter malen. Ich werde unsichtbare Bilder machen. Es wird so viel Licht in ihnen sein, da├č ihr nichts erkennen werdet. Unsichtbare Bilder" (S. 73).

"6 Das zweite Gesicht ... "Der Maler: Im Kopf jedenfalls kann man keine Haussuchung machen. Was da h├Ąngt, h├Ąngt sicher. Aus dem Kopf, da k├Ânnt ihr nichts konfiszieren" (S. 136).

"8 Das Portr├Ąt ... Weil Max Lidwiog Nansen nicht mit dir zufrieden war, dich immer wieder mit erbitterten Pinselhieben ver├Ąndern mu├čte, weil er dir manchmal auf ├╝berst├╝rtze Art half, dir selbst zu gleichen - morgens ebenso wie am Abend -, kam er nicht dazu, sich auch von drau├čen, bei einem pr├╝fenden Gang um Haus zu ├╝berzeugen, ob die Verdunkelungsrollos dicht waren! Jedenfalls war er mit dir besch├Ąftigt, verbesserte und korrigierte dich, und dabei achtete er nicht darauf, da├č eines der Rollos h├Ąngengeblieben war wie ein verklemmtes Segel und das Licht hinauslie├č, das sogenannte Arbeitslicht" (S. 161). ...."Vor allen Schiffen, Agenten und Blenheim-Bimbern gatte der Polizeiposten Rugb├╝l l├Ąngst das unerlaubte Licht festgestellt, er, der aus beruflichen Gr├╝nden daf├╝r zu sorgen hatte, da├č es nach Eintritt der Dunkelheit bei uns auch dunkel blieb, war schon unterwegs ...   Obwohl der Lichtschein aus dem Atelier ├╝ber das Land fiel und Schiffen, Agenten und Blenheims eine unerw├╝nschte Orentierung erlaubte, blieb mein Vater auf dem Gartentische stehen und verfolgte den Maler bei der Arbeit.  Die Auseinandersetzungen verfolgte er, die zwischen dem Maler und seinem unsichtbaren, aber besserwissenden Balthasar stattfanden. Er bemerkte den Wiuderstand, gegen den der rechte Arm des Malers sich bewegen mu├čte. .... Ungl├Ąubigkeit hielt ihn da wohl fest, die unertr├Ągliche Verbl├╝ffung dar├╝ber, da├č diesre Mann, der aus dem gleichen Ort stammte wie er und deshalb die gleichen Voraussetzungen mitbrachte, nichts anerkannte, kein Verbot und keine Verf├╝gung. Er war doch oft genug gewarnt worden. War seine Geringsch├Ątzung gr├Â├čer als seine Sorge? Seine Phantasie mu├čte doch wohl ausreichen, um sich die Folgen vorzustellen, die seine Achtlosigkeit eines Tages haben w├╝rde. Oder war er so selbstgewi├č, da├č er nicht einmal daran dachte, an die m├Âglichen Folgen? .... Freude schien der Maler nicht zu empfinden, ihm war auch nichts von heimlicher Genugtuungs dar├╝ber anzumerken, da├č er sich ├╝ber ein Verbot hinwegsetzte. Was ihn allein bei seiner Arbeit bech├Ąftigte, das waren Balthasar und die Auseinandersetzung mit der Farbe. Es war anscheinend nur eingetreten, was er selbst vorausgesagt hatte: da├č man nicht aufh├Âren kann zu malen" (S. 162 ff.).

"11 Unsichtbare Bilder ... Was soll ich nun an den unsichtbaren Bildern beschreiben, von denen Max Ludwig Nansen gesagt hatte, sie enthielten alles, was er mitzuteilen hatte ├╝ber die Zeit, da sei von allen Dingen bekenntnishaft die Rede, von denen er erfahren habe im Laufe seines Lebens. .... Wie soll man sie wiedergeben und wie ansehen, seine unsichtbaren Bilder? Schon bei sichtbaren gen├╝gt nicht guter Wille allein. ..... nun riskier mal einer, herauszufinden, was nicht zu sehen ist" (S. 251).

"14 Sehen ... Wei├čt du, was Sehen ist? Vermehren. Sehen ist Durchdringen und Vermehren. Oder auch Erfinden. Um dir zu gleichen, mu├čt du dich erfinden, immer wieder, mit jedem Blick. Was erfunden wird, ist verwirklicht. Nichts ist vermehrt. Wenn du siehst, wirst du gleichzeitig auch selbst gesehen, dein Blick kommt zur├╝ck. Sehen, herrjeh: es kann auch Investierenbedeuten, oder Warten auf Ver├Ąnderung" (S. 321).

Max Frisch, Montauk, Frankfurt 1981, S. 28f.:

"- Politik interessiert mich ├╝berhaupt nicht. Verantwortung des Schriftstellers gegen├╝ber der Gesellschaft und das ganze Gerede, die Wahrheit ist, da├č ich schreibe, um mich auszudr├╝cken. Ich schreibe f├╝r mich. Die Gesellschaft, welche auch immer, ist nicht mein Dienstherr, ich bin nicht ihr Priester oder auch nur Schulmeister. ├ľffentlichkeit als Partner? Ich finde glaubw├╝rdigere Partner. Also nicht weil ich meine, die ├ľffentlichkeit belehren oder bekehren zu m├╝ssen, sondern weil man, um sich ├╝berhaupt zu erkennen, ein imagin├Ąres Publikum braucht, ver├Âffentliche ich. Im Grunde schreibe ich aber f├╝r mich selber ..."

Thomas Bernhard, Der Untergeher, Frankfurt 1988, S. 133:

"Ich hatte ja auch niemals zum Unterschied von Wertheimer, der sehr wohl gern Glenn Gould gewesen w├Ąre, Glenn Gould sein wollen, ich wollte immer nur ich selbst sein, Wertheimer aber war immer jenen zugeh├Ârig, die st├Ąndig und lebensl├Ąnglich und bis zur fortw├Ąhrenden Verzweiflung, ein anderer, wie sie immer glauben mu├čten, Lebensbeg├╝nstigter sein wollen, dach ich. Wertheimer w├Ąre gern Glenn Gould gewesen, w├Ąre gern Horowitz gewesen, w├Ąre wahrscheinlich auch gern Gustav Mahler gewesen oder Alban Berg. Wertheimer war nicht imstande, sich selbst als ein Einmaliges zu sehen, wie es sich jeder leisten kann und mu├č, will er nicht verzweifeln, gleich was f├╝r ein Mensch, er sit ein einmaliger, sage ich selbst mir immer wieder und bin gerettet."

G├╝nther Uecker, in: Peter C.Vogel, G├╝nther Uecker, Man muss die Realit├Ąt des Marktes kennen, Parnass Kunstmagazin 04/2010, S. 102 ff., 105:

Warum ich allein arbeite? "Es ist doch besser, man macht das dann doch alleine, was da obsessiv zum bildnerischen Handeln und zum Icon, zum Erscheinungsbild wird. Was aus dem tiefsten Inneren erw├Ąchst und einen selbst schon erschreckt, was da in einem vorgeht, das sich aber dann im t├Ąglichen Prozess des Ablaufs offenbart."

Carlos Ruiz Zaf├│n, Das Spiel des Engels, 2008, S. 277 f. und 279:

"wenn du wirklich schreiben willst oder wenigstens so schreiben willst, dass andere dich lesen, dann wirst du dich daran gew├Âhnen m├╝ssen, dass man dich mitunter nicht zur Kenntnis nimmt. dass man dich beschimpft, dich verachtet imd dass man dir in den meisten F├Ąllen mit Gleichg├╝ltigkeit begegnet. Das ist einer der Vorteile dieses Berufes".

"Jedes Kunstwerk ist aggressiv.. Und jedes K├╝nstlerleben ist ein kleiner oder gro├čer Krieg, angefangen bei einem selbst und den eigenen Beschr├Ąnkungen. Um zu erreichen, was man sich vorgenommen hat, braucht man vor allem Ehrgeiz, dann Talent, Wissen und schlie├člich eine Chance".

Peter Maffay, in: Deutschland, deine K├╝nstler, ARD am 14. Juli 2010

"Wenn einer mich fotografieren will, sag' ich ihm genau, wo er stehen soll".